Der Osten soll leuchten - Entwurf einer Installation für den Brunnenplatz Frankfurt/Oder
Der Brunnenplatz in Frankfurt/Oder soll mit einer Brunnenanlage gestaltet werden, an der sich die auswärts verbreiteten Klischees über die Stadt brechen: sie soll leuchtend Betrachter anziehen, auf positive Weise irritieren, den im Übermaß funktionellen Platz beseelen und eine Spur exotisch wirken.
Das Thema des Brunnens, der als Stadtmarkierung über den Platz hinaus wirken soll, ist universell im Wortsinn: Auf und im Wasser sind bewegliche, glänzend farbige und durch ebenerdig versenkte Halogenleuchter angestrahlte Figuren versammelt, die elementare Prinzipien verkörpern: Sonne und Mond, Himmel und Erde, Männlich- und Weiblichkeit und die alles verbindende Dimension der Zeit. Auf dem Brunnenplatz wird durch die Figuren ein kleines kosmische Theater aufgeführt, das selbstironisch und selbstbewußt mit den Begriffen Welt und Provinz spielt.
Durch ihre Expressivität verweisen die Figuren auf die Bildsprache des Comics und überwinden so spielerisch die Distanz vor allem zu jungen Betrachtern und Platzbenutzern, die in der Diktion von Kunstwissenschaft und Soziologie gern als kulturfern verbucht werden. Die Installation wirkt zugleich zeitlos, wie es für ein unübersehbares gestalterisches Element im städtischen Raum angemessen ist; sie läuft nicht Gefahr, sich in einigen Jahrzehnten thematisch zu verschleißen, gerade weil sie einen gewissen Kontrapunkt zur Platzumgebung setzt, die sich auf absehbare Zeit ebenfalls nicht grundlegend ändern dürfte.
Der Einsatz von lackiertem Edelstahl verbindet zwanglos die frische, luzide und technisch Anmutung mit der notwendigen Robustheit; die Figuren sind praktisch unverbiegbar und weitgehend resistent gegen alle Formen von Vandalismus. Die intensiven Farben halten erfahrungsgemäß Spayer ab, sich an solchen Flächen auszutoben.
In der Brunnengestaltung sind spielerische und nützliche Elemente zwanglos miteinander verbunden: Die mit 5,20 Metern überragende Figur im oberen Wasserbecken trägt als stilisierte Augen rechts und links jeweils eine integrierte, nachts beleuchtete Analoguhr. Nachts wird die gesamte Brunnenanlage angeleuchtet; die farbige Metalliclackierung reflektiert das Licht dann in reizvoller Weise und gibt dem Platz ein urbanes Gepräge. Der illuminierte Nachteffekt hat nicht nur eine ästhetische, sondern auch eine praktische Seite: Belebung durch intensives Licht und Farbe erzeugt Sicherheitsgefühl bei Passanten und beugt erfahrungsgemäß einer Verwahrlosung vor. Die Brunnenbecken werden innen mit aufgetragener Farbe oder gefärbtem Beton azurblau gestaltet, um dem Wasser optische Tiefe und exotischen Reiz zu geben. Auch im abgelassenen Zustand bleibt so noch die Imagination von Wasser bestehen, außerdem zieht eine bereits farbig grundierte Fläche viel weniger Graffitisprayer an als Sichtbeton.
Im Winter, bei wasserlosem Zustand, verliert das Arrangement nichts von seinem Reiz - die Figuren werden dann vom Wind ständig neu in Position gebracht; 12 durch gekapselte rostfreie Kugellager geräuschlos bewegliche, allerdings wegen ihrer Robustheit wartungsarme Teile variieren je nach Witterungslage das Gesamtensemble.
Die Wasserführung im Inneren der acht Metallfiguren besteht aus flexiblen Kühlmittelschläuchen, die mit speziell gefertigten Edelstahlkupplungen und Verbindungsstücken in die gewünschte Lage gebracht werden. Die Endstücke, aus denen das Wasser ins Freie springt, bestehen aus sich zum Ende hin verjüngenden Kupferdüsen. Der Wasserbedarf liegt in den vorgegebenen Parametern.
Die Beckentiefe beträgt 50, die Wassertiefe 25 Zentimeter.
Technische Details wie Durchführbarkeit, Wasserdruck und -verbrauch, Rohr- und Düsenstärken und die Gesamtkosten des wassertechnischen Projekts wurden bereits von Diplomingenieur Chris Begall von der Firma Pumpen-Zilius , Berlin, geprüft und kalkuliert.
 
 
 
realisierte Projekte - Brunnenanlage
 
   
 
Kunst am Bau - realisierte Projekte Kunst am Bau - laufende Projekte
Live Skizzenbuch Werk Kunstambau Vita Galerien